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Dinosaurierspuren aus Frankreich
Frankreich hat viele gute Fundstellen für Dinosaurierspuren. Weltweit einzigartige Spuren findet man aus dem frühen Jura: Da gibt es z.B. die berühmten Le Veillon Spuren, die Causses Spuren und die Sanary Sur Mer Spuren. Es gibt auch eine Reihe von Spuren aus dem Perm, die von Georges Demathieu und Paul Ellenberger erforscht und dokumentiert wurden. In Cerin, in der Nähe von Lyon, gibt es berühmte Fossilienfundstätten. Hier wurden auch viele schöne Fußspuren gefunden. Aus der Provinz Dordogne ist eine wichtige Fährte eines frühen Stegosauriers oder eines Vorfahren der Stegosaurier bekannt. Sie ist wichtig, weil der Ursprung der Stegosaurier noch sehr im Dunkeln liegt. Auch Spuren aus dem Tertiär kann man in Frankreich besichtigen (was sehr selten ist): In der "Saigon Tracksite" in der Nähe von Valcluse kann man die Rhinozeros Spuren Ronzotherium (Oligozähn) bestaunen.
Spuren aus der frühen Jura
Die Le Veillon Spuren
Die Le Veillon Track Sites liegen an der Westküste von Frankreich, ungefähr 40 km nordwestlich von La Rochelle. Dies sind die ersten früh jurassischen Spuren, die genauer untersucht und beschrieben wurden. In insgesamt sieben Schichten wurden Unmengen von Spuren von 9 Ichnoarten gefunden.
Allein von dem kleinsten hier gefundenen Ichnogenus, Grallator oloneusis, sind 160 Spuren bekannt. Le Veillon ist eine Französische Provinz, die Spuren finden sich im Departement de la Vendee. Es sind mehrere Fundgruben, die auf insgesamt 7 Erdschichten nahe beieinander liegen. Die Spuren wurden im Jahr 1963 entdeckt und von Lapparent und Montenat eingiebig untersucht. Das Zeitalter wurde auf die frühe Frühjurazeit datiert. Einige Spuren mögen auch aus dem Rhaetian (späte Trias) kommen. Lapparent und Montenat identifizierten neun verschiedene Ichnogenera: Grallator, Eubrontes, Saltopoides, Anatopus, Talmontopus, Batrachopus, Datutherium, und zwei weitere, die nicht richtig eingeordnet werden konnten und so nicht benannt wurden.
Die Ichnogenera Grallator (ein früher, zweibeiniger Dinosaurier, meistens Coelophysis ähnlich), Eubrontes (ein früher größerer zweibeiniger Dinosaurier) und Batrachopus (ein vierbeiniger Pseudosuchier) wurden auf der gesamten Nordhalbkugel massig gefunden. Die anderen Spezies, Saltopoides (ein tridactyler Dinosaurier), Anatopus (Dinosaurier, ebenfalls tridactyl), Talmontopus (Tridactyler Dinosaurier) und Datutherium (Spuren aus der mittleren Trias) basieren ausschließlich auf die in Le Veillon gefundenen Spuren und sind nirgens wo anders bekannt. Von Grallator sind aus Le Veillon mehrere Arten bekannt. Die kleinste Art ist der Grallator oloneusis mit einer durchschnittlichen Fußlänge von nur 4,3 cm, er wurde auf der Basis von 160 Spuren beschrieben. Der Grallator variabilis hat eine Durchschnittslänge von ungefähr 12 cm und ist durch mindestens 60 Spuren bekannt. Die größte Grallator-Form aus Le Veillon ist Grallator maximus, er basiert auf unvollständige Fährten und hat eine Durchschnittslänge von 28 cm.
Die größten tridactylen Spuren stammen von Eubrontes veillonensis und sind bis zu 46 cm lang. An einer Fundstelle wurden auf engsten Raum mindestens 15 Fährten dieses Ichnogenus gefunden, die kreuz und quer übereinander liegen.
Die Ichnogenera, die nur aus Le Veillon basieren, können natürlich mit den anderen identisch sein. Sie weisen jedoch kleine Unterschiede auf. Der Saltopoides (Fußspurenlänge 15,5 cm) und der Anatopus (Fußspurenlänge 8-9 cm) sind dem Grallator variabilis ähnlich und fallen auch in dessen Größe. Saltopoides basiert auf nur zwei Fährten, die eine Fährte stammt von einem rennenden Tier das ungefähr 11 km/h schnell war. Über Anatopus palmatus ist jedoch wenig zu sagen, er basiert auf weniger gut erhaltenen Spuren.
Talmontopodus weißt die Länge von Grallator maximus und kleineren Eubrontes Spuren auf. Ob diese Arten jedoch mit anderen identisch sind ist bei Fußspuren immer schwer zu sagen.
Leider sind heute die meisten Spuren aus Le Veillon zerstört. Die Erosion durch das Meer hat den Spuren stark zugesetzt, und viele Spuren sind durch Vandalismus entfernt worden. Eine Gesteinsplatte mit Spuren aus Le Veillon gelangte bis in die Schweiz und ist heute im Dinosaurier Museum von Aathal zu besichtigen.
Die Causses Region
Nicht nur Le Veillon ist reich an frühjurassischen Fußspuren. Auch in der Causses Region, im südlichen Teil des französischen Zentralmassivs, nördlich von Montpellier, wurden viele Fußspuren gefunden. Viele der Spuren zeigen erstaunliche Ähnlichkeit mit Spuren aus den Connecticut Valley in Nord Amerika.
In der Causses Region gibt es drei bedeutende Fundorte: Saint-Leons, Saint-Laurent de Treves, und Sauclieres. Diese Fundorte wurden eingiebig von Demathieu und Sciau beschrieben und untersucht. In Sauclieres beschrieben sie vier Ichnogenera: Grallator variabilis, der auch aus Nord Amerika bekannt ist, das neue Ichnogenus Grallator sauclierensis, Grallator minisculus (auch aus Nordamerika gut bekannt), und Dilophosauripus williamsi, der aus Arizona bekannt ist und Ähnlichkeiten mit Eubrontes aufweist. Auch der Nichtdinosaurier Batrachopus deweyi wurde in Sauclieres gefunden.
Sanary Sur Mer
Sanary Sur Mer ist eine weitere bedeutende Fundstelle für fossile Fußspuren aus dem frühen Jura. Sie liegt an der Mittelmeerküste, ca. 40 km östlich von Marseille, Südfrankreich.
In Sanary Sur Mer wurden unter Anderem seltsame Spuren gefunden, die sonst im frühen Jura selten vorkommen. Sie sehen aus wie große Vogelspuren (ca. 20 cm). Die Zehen sind sehr schmal, im Gegensatz zu anderen aus dem frühen Jura gefundenen Theropodenspuren wie Grallator oder Eubrontes. Wahrscheinlich stammen sie aber auch von Theropoden - es ist unwahrscheinlich, dass es schon zu dieser Zeit Vögel gab. Ähnliche Spuren sind auch aus Ungarn bekannt. Diese waren etwas kleiner und wurden Komlosaurus genannt. Weitere vergleichbare Spuren kennen wir aus Nordafrika, Südafrika und aus der westlichen USA.
Spuren eines frühen Stegosauriers aus Dordogne
Bei Corgnac, einem kleinen Dorf im Nordosten von Dordogne, Frankreich, wurde die vielleicht wissenschaftlich bedeutendste Fundstelle Frankreichs entdeckt. Es handelt sich um Stegosaurierspuren aus dem frühesten Jura, aus dem Hettangian (200 mil. Jahre).
Hier gibt es eine wichtige Fundstelle, die eine längere Fährtenfolge eines frühen, großen Ornithischia sowie Spuren von zwei Theropoden zeigt. Eine der Theropodenspuren wurde Grallator zugeschrieben. Viel interessanter ist allerdings die Fährtenfolge des Ornithischiers, die sich als Sensation herausstellte. Es handelt sich um die Fährte eines frühen Stegosauriers. Stegosaurierspuren sind ohnehin sehr selten. Man kann sie bisher fast an einer Hand abzählen. Einige einzelne Spuren aus dem späten Jura wurden in Nordamerika gefunden, eine davon trägt heute den Namen Stegopodus. Aus England sind auch vereinzelte Spuren bekannt, und in Polen wurde kürzlich eine Platte mit einer wahrscheinlichen Stegosaurierfährte gefunden. Allerdings ist keine dieser Funde so alt wie die Fährte aus Frankreich. Sie stammt aus dem Hettangian (ca. 200 mil. Jahre alt) und ist der geologisch älteste Beweis für die Existenz von Stegosauriern. Die ältesten Knochenfunde von Stegosauriern aus China und England sind nur 165 bis 175 Millionen Jahre alt, also 30 bis 40 Millionen Jahre jünger.
Diese Fährte könnte also noch viele Fragen über die frühen Stegosaurier beantworten. Man ist sich heute relativ sicher, dass es sich um eine Stegosaurierfährte (oder um die Fährte eines Stegosaurier-Vorfahren) handelt. Die im frühen Jura vorherrschenden Ichnogenera der Ornithischia, Anomoepus und Moyenosauripus, kommen nicht in Frage. Die Hinterfußspuren weisen lediglich drei Zehen auf, ein wichtiges Merkmal aller Stegosaurier. Verwandte Gruppen wie Ankylosaurier haben vier Zehen am Hinterfuß. Die Spuren sind recht groß, die Zehen sind ziemlich kurz und enden sehr stumpf. Sie passen damit perfekt in das Bild eines Stegosauriers.
Heute kann man die Originalspuren besichtigen. Ein Abguss der Spuren findet sich auch im Esperaza Museum im südlichen Carcassone.
Spuren aus dem späten Jura
Die fossilen Spuren von Crayssac
In den Gesteinsschichten um Crayssac (Lot, Frankreich) gibt es ein großes Vorkommen an Pterosaurier-Spuren. Neben den Spuren dieser fliegenden Reptilien wurden die Spuren von Sauropoden sowie Theropodenspuren gefunden.
Dies ist die erste Fundstelle für Pterosaurierspuren aus dem späten Jura Europas. Es ist für das Verständnis dieser Tiere wichtig, deren Fußspuren genau zu untersuchen. Bei Crayssac wurden teilweise sehr gut erhaltene Spuren gefunden, die Aufschluss darüber geben, wie sich die Pterosaurier an Land fortbewegt haben. Auch geben sie Hinweise auf den bevorzugten Lebensraum der Pterosaurier.
Im späten Jura lag Crayssac an einem großen Golf, dem Golf Charantais. Und hier wurden nicht nur Pterosaurierspuren gefunden. Es gibt hier beispielsweise einige schöne Sauropodenspuren, bei denen man die Krallen gut erkennen kann. Auch Theropodenspuren wurden hier gefunden.
Eine neue Fährtenfundstelle auf Korsika
Im April 2004 wurde hier eine bedeutende Spurenfundstelle entdeckt. Es wurden hier über 200 Eindrücke gefunden, viele gehören zu Parabrontopodus, aber auch Theropodenspuren wurden hier gefunden.
Durch Zufall wurden auf Korsika an einer kleinen Straße die Fährten von Dinosauriern gefunden. Der Entdecker, Christian Gourrat, war Präsident der Gesellschaft der Naturalisten von Oyonnax. Vor drei Jahren wurde die Straße erweitert, den Spuren schenkte aber niemand Beachtung.
Als weitere Wissenschaftler von den Spuren erfuhren, wurde weiteres Gestein entfernt. Bis jetzt wurden hier auf einer Fläche von 200 m2 über 200 Fußeindrücke gefunden.
Die Spurenschichten sind fast senkrecht an einer Steilwand aufgerichtet.
Einige Spuren konnten dem Ichnogenus Parabrontopodus zugeordnet werden. Dies waren die Spuren von Diplodociden-ähnlichen Sauropoden. Die Hinterfuß-Eindrücke der Parabrontopodus-Spuren sind zwischen 40 und 70 cm lang, die Eindrücke der Vorderfüße variieren zwischen 25 und 50 cm Länge. Andere Spuren stammen von weiteren herbivoren Dinosauriern sowie von Theropoden. Die Spuren stammen aus dem Tithonian und sind damit über 200 Millionen Jahre alt. Diese Spurenfundstelle ist bisher einzigartig in Frankreich.
Man vermutet neben den bereits entdeckten Spuren weitere Spuren an der Steilwand, die jedoch noch von Fels befreit werden müssen. Insgesamt könnte sich die spurentragende Steilwand über mehrere hundert Meter erstrecken.
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