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Dinosaurierspuren aus England
Dinosaurierspuren der frühen und mittleren Triaszeit
Bis in die 1970er Jahre gab es reichhaltige Fossilvorkommen von vermeintlichen Dinosauriern aus dem frühen und mittleren Trias. Von Huene (1932) beschrieb beispielsweise zehn Dinosaurierspezies aus dem mitteljurassischen deutschen Muschelkalk, die heute allesamt als Thecodontier-Spezies bekannt sind. Diese Fehlinterpretation der Fossilien liegt sicherlich an der fehlenden Definition der Gruppe Dinosauria sowie daran, dass viele Gesteinsschichten mit echten Dinosaurierfossilien in ein falsches Alter datiert wurden. Als älteste echte Dinosaurierfunde gelten heute Funde aus der Ischigualasto Formation (Carnian, späte Trias) aus Südamerika.
Die Tatsache, dass das Vorkommen von Dinosauriern in der frühen und mittleren Trias weitgehend akzeptiert wurde, führte auch dazu, dass viele Dinosaurierspuren aus dieser Zeit beschrieben wurden, besonders in Großbritannien. Heute sieht man viele dieser Spuren als Riffelmarken oder als Chirotheriden-Spuren.
Die Bellington "Dinosaurier"-Spuren
Eine reiche Ichnofauna des frühen Trias wurde aus der Kidderminster und der darüber liegenden Wildmoor Sandstone Formation in Bellington, nahe Kidderminster in Worcestershire, beschrieben (Wills, Sarjeant, 1970).
Die vermeintlichen Spuren befanden sich an Silt- und Sandsteinblöcken, die aus Bohrlöchern der Bellington Pumping Station gezogen wurden.
Wills und Sarjeant beschrieben acht Wirbeltier-Fußspuren, darunter auch drei Dinosaurier-Typen (alle Coelurosaurichnus zugeschrieben), sowie eine Insektenspur (Perrnichnium) und eine Arthropodenspur (Isopodichnus). Eine spätere Studie (King, Benton, 1996) kam jedoch zu den Schluss, dass es sich bei sämtlichen Vertebraten-Spuren um anorganische Strukturen handelt. Eine als Baby-Coelurosaurichnus beschriebene Spur entpuppte sich als die Spur eines Pfeilschwanzkrebses.
"Dinosaurier"-Spuren aus Mapperley Park
In mitteltriassischen Gesteinen (Woodthorpe Formation) in Mapperley Park in Nottinghamshire wurden fossile Spuren entdeckt, und erstmals von Swinnerton (1912 und 1960) als Chirotheriden-Spuren beschrieben. Sarjeant (1967, 1970) ordnete die Spuren später kleinen Amphibien, einem Thecodontier, kleinen theropoden Dinosauriern (Swinnertonichnus mapperleyensis, Coelurosaurichnus sp.) sowie einem Prosauropoden (?Otozoum swinnertoni) zu.
Aber auch hier zeigte die Studie (King, Benton, 1996), dass es sich nicht um Dinosaurier-Spuren handeln kann, sondern vielmehr um die in Großbritannien sehr häufigen Ichnotaxa Chirotherium und Rhynchosauroides. Ein anderes, von Sarjeant dem Coelurosaurichnus zugeordnetes Exemplar, wurde als anorganische Struktur neu beschrieben.
Einst waren die Funde in der University of Nottingham beherbergt, bis im März 1970 ein Feuer wütete. Danach gelangten die Funde in die Wollaton Hall Sammlung. Nach (King, Benton, 1996), die die Funde mit Photografien vor dem Brand verglichen, wurden die Spuren, abgesehen von einer dunkleren Fährbung, nicht beeinträchtigt.
Später im Jahr 1996 konterte Sarjeant mit einem Papier, in dem er
Swinertonichnus als Krokodilspur, Otozoum als Paratetrasauropus, und die von Benton und King als anorganisch gedeutete Struktur als Chirotherium beschrieb.
Spuren aus dem mittleren Jura
Spuren von den Küsten Yorkshires
Die mitteljurassischen Ablagerungen werden "Great Estuarine Series" genannt und bildeten sich aus einem ehemaligen Delta.
Aus den Küsten von Yorkshire tauchen immer wieder Dinosaurierspuren auf. Das besondere an diesen Spuren ist ihr geologisches Alter, das ca. 160 - 180 Millionen Jahre beträgt und in den Mittleren Jura (Dogger) fällt.
Dieses Zeitalter ist extrem fossilarm. Deswegen haben diese Spuren einen hohen wissenschaftlichen Wert.
Die Steilküsten von Yorkshire werden aktiv von der Nordsee abgetragen. Die Spuren, die dadurch zum Vorschein kommen, fallen in Gesteinsblöcken auf den Strand. Dadurch werden sie jedoch von ihrer Gesteinsschicht isoliert, und man kann oft nicht mehr das genaue Alter feststellen.
Zur Geschichte der Yorkshire Spuren
Die ersten Funde und Berichte von Spuren von der Küste Yorkshires wurden in den 1890er und den frühen 1900er Jahren gemacht. Harold Broderick beschrieb hier verschiedene dreizehige Abdrücke von einem Fundort aus der Nähe von Whitby (Broderick, H. 1909). Seit dem wurden immer mal wieder sporadische Entdeckungen gemacht.
Für die Ichnologen gibt es das Problem, dass es kaum gleichaltrige Spuren gibt, mit denen man die Funde vergleichen kann. Vergleiche mit Spuren anderen Alters brigen jedoch wenig, um etwas mehr über das wenig bekannte Mittlere Jura herauszufinden.
Stegosaurierspuren aus Yorkshire
Eine Gesteinsplatte aus der Saltwick Formation, Nord Yorkshire, sorgte für viele Diskussionen. Auf dieser Platte ist die Fährtenfolge eines quadrupeden Tieres erhalten geblieben. Die Hinterfußabdrücke sind grob dreizehig. Die Vorderfußabdrücke sind halbmondförmig und damit sehr ungewöhnlich. Aufgrund ihrer Größe kann sie jedoch nur von einer von drei Tiergruppen stammen: Sauropoden, Stegosaurier oder Ankylosaurier. Im Jahr 1994 schrieben die Entdecker der Platte, Whyte und Romano, die Spur einem Sauropoden zu und nannten sie Deltapodus brodericki. Allerdings gab es kritische Stimmem, was die Einordnung als Sauropode betrifft. Erstens war der Hinterfußabdruck grob dreizehig, zweitens waren dies Delta-Ablagerunden, wo Sauropodenspuren eigentlich selten sind.
Heute geht man eher davon aus, dass diese Spuren ein früher Stegosaurier hinterlassen hat. Dafür spricht besonders der dreizehige Hinterfußabdruck. Ein Stegosaurier Spurenfund aus Frankreich stammt aus der frühen Jura, das heißt also, dass Stegosaurier schon zu dieser Zeit verbreitet gewesen sein müssen. Stegosaurierspurenfunde sind sehr selten, weshalb dieser Fund sehr bedeutsam währe.
Im Jahr 2001 schrieben Whyte und Romano einen weiteren Fund dem Deltapodus brodericki zu. Der Fund (siehe Bild unten) stammt aus Sheffield, Ravenscar Group, Cleveland Gebiet um Yorkshire und kommt aus der frühen Jura. Es wurde bereits 1996 von Bakker beschrieben. Bakker meinte damals, es könnte die Spur eines Stegosauriers sein. Da zu den Zeitpunkt jedoch noch keine Stegosaurierspur bekannt war, konnte die Spur erst nicht einwandfrei einem Stegosaurier zugeschrieben werden.
Die Spur weist sehr kurze Zehen auf. Die Hinterfußspuren sind 40 cm lang und 34 cm breit, die Vorderfußspur (Manus) ist 29 cm breit.
Bildcopyright: University of Sheffield, used with friendly permission of Dr M.A. Whyte. Homepage der Univerität Sheffield
Links: Die Spurenplatte aus der Saltwick Formation, nach der Deltapodus benannt wurde. (Großansicht) Rechts: Die Deltapodus - Spur aus der Ravenscar Group. (Großansicht)
Ravatichnus - ein Rätsel für Ichnologen
Ein weiterer Fund aus der Saltwick Formation von Yorkshire wurde zuerst dem Ravatichnus kotshnevi zugeschrieben, der bereits in Zentralasien gefunden wurde.
Es handelt sich hierbei um einen fünfzehigen Abdruck mit einer Länge von einem halben Meter. Fünf rundliche Eindrücke sind zu einem Halbkreis angeordnet. Bei der Beschreibung des Ravatichnus wusste niemand, wie diese Spuren entstanden konnten.
Im Jahr 2001 wurde dann zu den Ravatichnus aus England von Whyte und Romano eine Theorie aufgestellt. Sie meinen, es seien die starkverformten Spuren des Deltapodus (siehe oben).
Weitere Spuren aus der Ravenscar Group
Das Gebiet der Ravenscar Group in Cleveland, Yorshire, ist besonders reich an fossilen Spuren. Einige Earthwatch Projekte, die seit 1996 laufen und von der Universität Sheffield geleitet werden, brachten eine große Fülle von Funden hervor. Im Rahmen der Projekte wurden bereits 90% der Küsten mit Fußspurtragenden Gesteinen dieser Region intensiv nach Fossilien abgesucht.
Es wurden die Spuren von Theropoden, Sauropoden und Ornithopoden Dinosauriern gefunden.
Bildcopyright: University of Sheffield, used with friendly permission of Dr M.A. Whyte. Homepage der Univerität Sheffield
Links: An dieser etwa 20 cm langen Theropodenspur sind Krallenabdrücke klar erkennbar. Unten: Eine dreizehige Ornithopodenspur, die sich in einem auf den Strand gefallenen Felsbrocken befindet. Rechts: Ein Theropodenabdruck
Carmelopodus - ein Theropode aus dem mittleren Jura
Im Jahr 1985 kamen im Forest Marble, Buckinghamshire, die Spuren eines kleinen Theropoden zum Vorschein, die Delair und Sarjeant (1985) beschrieben. Sie stammten aus dem Bathonian (mittlere Jura).
Auch in Amerika sind Dinosaurierfossilien aus dem mittleren Jura äußerst selten. Es waren keine Überreste aus dem gesamten Kontinent bekannt, bis man in der Carmel Formation (Dinosaur National Monument, Ost Utah) erstmals Theropodenspuren aus dem Bathonian fand. Die Spuren waren allesamt recht klein (ca. 4cm bis 15 - 20cm lang). Der neue Spurentypus wurde Carmelopodus ("Spur aus der Carmel Formation") genannt. Bis jetzt wurden mindestens 60 Fährtenfolgen von verschiedenen Lokalitäten registriert, der Spurenerzeuger war also recht häufig.
Die amerikanischen Spuren wiesen eine so starke Ähnlichkeit mit den gleichaltrigen Spuren aus England auf, dass die Englischen Spuren ebenfalls dem Carmelopodus zugeschrieben wurden. Dies ist der erste Vergleich von mitteljurassischen Spuren von Europa und Nordamerika. Der Nachweis von Carmelopodus aus Europa und aus Nordamerika zeigt auch, dass es noch keinen Atlantik gab - Europa und Nordamerika waren noch ein Land.
Die Fußspuranatomie von Carmelopodus
Carmelopodus unterschied sich in seiner Fußspur-Anatomie deutlich von anderen Theropodenspuren. So hat eine normale Theropodenspur eine Pad Formel von 2-3-4, also an der zweiten Zehe 2 Pads (Vertiefungen), an der dritten Zehe drei Pads und an der vierten Zehe vier Pads. Carmelopodus jedoch hat eine Pad Formel von 2-3-3. Hieraus kann man auf einen verkürzten vierten Metatarsalknochen schließen, und wenn man irgentwann Fußknochen von diesem Tier finden wird, kann man sicher sein, dass sich diese Besonderheit auch an den Knochen zeigen wird.
Pooleyichnus - eine Säugerspur?
Im Jahr 1886 wurde diese rätselhafte Spur von Mr. C. Pooley im Stonesfielder Schiefer (Stonesfield Slate) nahe Burford, Oxfordshire, entdeckt. 1975 wurde sie dann von Bill Sarjeant beschrieben, der der Spur den Namen Pooleyichnus burfordensis (bedeutet soviel wie "Pooley's Spur aus Burford") gab.
Die Spur ist nicht sonderlich gut erhalten. Pooleyichnus ist fünfzehig, und weißt eine Länge von nur fünf cm auf. Da es weltweit keine ähnliche Fußspur gleichen Alters gab, konnte Sarjeant nur raten, welches Tier diese Spur hinterlassen haben könnte. Schließlich schrieb er die Spur einem frühen Säugetier zu, da die Überreste dieser Tiere auch im Stonesfielder Schiefer entdeckt wurden. Damit wäre es eine der größten Säugetierspuren aus dem Mesozoikum - alle anderen bekannten Spuren weisen eine Länge von nur 1-2 cm auf.
Auch heute noch sind sich die Forscher uneinig über die Einordnung von Pooleyichnus. Einige Forscher (z.B. Lockley) glauben eher, es sei die Hinterfußspur eines Pterosauriers oder einer großen Eidechse, da einige Gemeinsamkeiten erkennbar sind. Über die wahre Herkunft dieser Spur können wohl nur weitere Funde aufklären.
Die Ardley - Megaspurenplatte aus Oxfordshire
Hier wurden über 40 Fährtenfolgen von Sauropoden und großen Theropoden gefunden. Einige Fährten erreichten eine Länge von 180 Metern. Da der Grund sehr weich ist, mussten jedoch alle Spuren abgetragen werden, um sie zuverlässig zu schützen.
Im Frühjahr 1997 vielen Christopher Jackson, einem Lehrer der Schule in Birmingham, erstmals fossile Spuren auf dem Boden eines aktiven Kiessteinbruchs, ein paar Meilen nördlich von Oxford, auf. Er hatte damit eine der wichtigsten Fundstellen für Dinosaurierspuren aus dem mittleren Jura entdeckt.
Anfangs war der Großteil der Spuren noch von Schutt und Müll bedeckt - und die Trucks, die aus dem Steinbruch herein und herausfuhren, drückten die Spuren zusammen. Erschwerend kam noch die Größe der Fundstelle von einen halben Quadratkilometer hinzu. Der aufgedeckte Bereich der Fundstelle beträgt nur die Hälfte.
Die Fläche ist teilweise durch die Dinosaurier richtig abgesunken, diesen Vorgang nennt man auch Bioturbation oder (speziell für Dinosaurier) Dinoturbation.
Die Kalksteine aus dem Steinbruch gehören zur White Limestone Formation und stammen damit aus dem Bathonian.
Bis zum April 1998 wurden 37 Fährtenfolgen gefunden, die aber nicht alle vollständig sind. Einzelne Eindrücke sind oft gut erhalten, und man kann Zehen und Klauenabdrücke deutlich erkennen.
Die Theropoden-Abdrücke sind bis zu 80 cm lang und 65 cm breit. Die Steps innerhalb der Fährtenfolge betragen 2 Meter. Eine der Abdrücke stammt sogar von einem rennenden Tier. Die längste Theropodenfährtenfolge der Spurenplatte ist ca. 60 meter lang und damit die Längste in England.
Die großen Theropodenspuren wurden Megalosaurus (oder einem verwanten Tier) zugeschrieben, da die Spuren aus den selben Ablagerungen stammen, aus denen auch die ersten Megalosaurus Knochen geborgen wurden, den ersten Dinosaurier, der je beschrieben worden ist.
Die Sauropoden-Abdrücke sind jedoch die häufigsten, sie betragen zwei drittel aller Fährten. Die Hinterfußabdrücke haben eine Länge von bis zu 60 cm und eine Breite von 56 cm, die Manus Abdrücke sind mit 40 cm Länge deutlich kleiner. Die länsten Fährtenfolgen haben eine Länge von bis zu 200 Metern.
Die Sauropoden-Abdrücke werden oft dem Cetiosaurus zugeschrieben, da dieser (wie der Megalosaurus) ebenfalls in den Gesteinen von Oxfordshire gefunden wurde.
Die Mehrzahl der Abdrücke laufen teilweise parallel in nordöstlicher Richtung.
Heute hat man bereits die gesamte Fundstelle dokumentiert und per GPS die genaue Position jeder einzelnen Spur festgestellt. Da die Kalksteinschicht, auf der die Spuren liegen, äußerst unsolide ist, müssen die Spuren in ein Museum abtransportiert werden, um sie zuverlässig vor der Witterung zu schützen. Dies ist angesichts der Länge der Spuren und der Größe der Fundstelle sehr Schade.
Spuren aus der Jura-Kreide Grenze
Frühe Ankylosaurierspuren
In der Purbeck Limestone Formation, nahe Langton Matravers in Dorset, wurden die ältesten europäischen Ankylosaurierspuren gefunden.
Die Trittsiegel - die eine ca. 6,8 Meter lange, gerade verlaufende Fährtenfolge bilden - wurden im Jahr 1980 von Paul Ensom beschrieben. Allerdings war er sich bei der Einordnung der Spuren nicht sicher. Er meinte schließlich, es könnte sich um Sauropodenspuren handeln.
Im Jahr 1991 beschrieb er dieselben Spuren dann als mögliche Ankylosaurierspuren.
Ankylosaurierspuren waren zu dieser Zeit noch selten. Erst als weitere Ankylosaurierspuren in Nordamerika auftauchten, die eine ähnliche Morphologie hatten, konnten die Spuren aus Purbeck sicherer als Ankylosaurierspuren interpretiert werden.
Die Spuren stammen aus Gesteinen, das nur zwei Meter unter der Jura Kreide-Grenze liegt.
Allerdings ist die genaue Position der Jura-Kreide Grenze in der Formation noch umstritten. Paul Ensom datierte die Spuren im Jahr 1980 in die späteste Jura Zeit. Inzwischen wurde die Jura-Kreide Grenze jedoch nach unten verlegt, und die Spuren gehören nun vieleicht der frühen Kreide an.
Die Ankylosaurierspuren aus Purbeck wurden einen ganz bestimmten Dinosaurier zugeschrieben, dem Hylaeosaurus. Dessen Knochen sind nur geringfügig jünger und wurden in den Wealden Beds gefunden, die direkt über der Purbeck Limestone Formation liegt. Hylaeosaurus ist ein berühmter Dinosaurier. Er war der dritte Dinosaurier, der beschrieben wurde, und wurde von Richard Owen, zusammen mit Megalosaurus und Iguanodon, in der Erstbeschreibung der Dinosauria im Jahr 1942 erwähnt.
Spuren aus der Isle of Portland
Die Isle of Portland, eine kleine Halbinsel im Ärmelkanal, nahe Weymouth, ist nur durch einen kleinen Strandarm mit dem englischen Festland verbunden. Sie ist mit etwa 6km Länge und 2,4km Breite nicht gerade groß, trotzdem ist diese Insel ein bedeutender Fossilienfundort der Jurassic Coast, und gehört zum Weltnaturerbe der UNESCO. Schon seit langer Zeit wird hier der Kalkstein abgebaut. Nach den großen Brand von London z.B. gelangten 6 Millionen Tonnen Gestein zum Wiederaufbau von der Isle of Portland nach London.
Die meisten spurentragenden Gesteine der Isle of Portland gehören zur Purbeck Formation (auch Purbeck Limestone Group genannt).
Zwar ist das Gestein dieser Formation überwiegend jurassisch, die meisten Spuren stammen jedoch aus der frühen Kreide (Berriasian).
Spuren wurden teilweise in Steinbrüchen gefunden, aber auch in den Klippen, wo die Kalksteine der Mittleren Purbeck Formation hervortreten. Aus der unteren Purbeck Formation sind zwar auch Spuren bekannt - hier sind sie aber viel seltener.
Die mittleren Purbeck Schichten der Isle of Portland sind jedoch geologisch wenig bedeutsam, da sie von der Erosion stark verschoben wurden. So finden sich einige Gesteinsblöcke in Pleitozänen Schichten wieder.
Auf der ganzen Insel wurden bisher über 70 Trittsiegel gefunden, meistens stammen sie von kleineren Theropoden Dinosauriern. Einige Trittsiegel sind Teil von Fährtenfolgen.
Aber es wurden auf der Isle of Portland nicht nur Dinosaurierspuren gefunden. Neben einem Dinosaurier Konchen ist, in Verbindung mit spurentragenen Felsblöcken, ein Reptilien-Hautabdruck gefunden worden.
Ein bedeutender Wissenschaftler bei der Erforschung dieser Fußspuren ist Richard Edmonds. Viele Entdecktungen und Beschreibungen gehen auf sein Konto.
Fußspuren von Ornithopoden
Breite, runde Zehen sind die Kennzeichen der evtellen Ornithopodenspuren der Isle of Purbeck. Sie sehen aus wie kleinere Versionen von Iguanodon Spuren, die meisten dieser Spuren fallen mit einer Größe von etwa 17 bis 20 cm etwa in die Größenklasse der meisten Theropodenspuren dieser Insel.
Eine eindeutige Klassifizierung der Spuren als Ornithopodenspuren ohne Zweifel ist jedoch nicht möglich. Die Spuren scheinen oft breiter zu sein, als sie wirklich waren.
Auf einer Platte fanden sich zwei noch kleinere sowie eine größere Ornithopodenspur. Auf der Platte lag eine dünne Salzschicht (dies war auch bei anderen Fährtenplatten der Fall), unter der sich früher Schlamm befand. Dieser Schlamm ist zwischen den Zehen hervorgequillt und heute noch sichtbar. Die zwei kleinen Ornithopoden Abdrücke könnten von Jungtieren stammen.
Die sich auf der selben Platte befindliche einzelne große Ornithopodenspur stammt wohl von einem ausgewachsenen - Iguanodon ähnlichen - Tier.
Bildcopyright: Ian West, used with friendly permission. Dinosaur Footprints in Jurassic-Cretaceous Boundary Beds on the Isle of Portland - by Ian West
Links: Iguanodon Fährtenplatte aus der Isle of Purbeck. (Großansicht)
Rechts: Zwei Eindrücke mit schönen Zehenpads. Die Salzkruste sowie ehemalige Schlammränder sind zu erkennen. (Großansicht)
Fußspuren von Theropoden
Fußspuren von kleineren Theropoden sind die häufigsten Spuren der gesamten Insel. Die meisten dieser Theropodenspuren gehören zu einem schmalzehigen Typ. An einigen Abdrücken ist an der Unterseite der mittleren Zehe ein Kamm zu erkennen.
Neben diesen Spuren gibt es auch einige größere Spuren. Auf einer Platte finden sich vier Eindrücke, die sich teilweise gegenseitig überlappen.
Am 16 September 2003 wurden von Richard Edmonds einige gefundene Stücke wegbefördert. Dabei wurden neue Platten frei. Als der Dreck von diesen Platten entfernt wurde, stutzte man. Bei diesen Spuren war die mittlere Zehe nur sehr schwach oder gar nicht ausgeprägt. Dieses Phänomen ist nur sehr schwer zu erklären.
Zuerst wurde angenommen, diese Spuren könnten von Deinonychosauriern stammen. Dessen große zweite Zehe, die "Killerklaue", würde nämlich nicht den Untergrund berühren.
Allerdings ist diese Killerklaue die zweite Zehe von insgesamt vier, und die erste kleine Zehe hinterlässt für gewöhnlich keinen Abdruck. Währen diese Spuren also von Deinonychosauriern, müsste der erste äußerste Abdruck schwach ausgebildet sein, und nicht der mittlere. Wie diese Spuren entstanden, ist bisher noch ein Rätsel.
Spuren aus der frühen Kreide
Purbeckopus - ein Pterosaurier-Gigant aus England
Auch Pterosaurier-Spuren wurden in England gefunden. Jedoch war man zuerst mit der Einordnung der Spuren nicht sicher. Im Jahr 1963 beschrieb Justin Delair Funde aus der Purbeck Limestone Formation, Dorset. Er meinte, die Spuren seien pentadactyl (fünfzehig), und benannte den Ichnotaxon Purbeckopus pentadactylus. Delair klassifizierte die Spuren als die eines unbekannten Reptils, vieleicht eines Krokodils.
Erst weitere Studien haben erwiesen, dass es sich um tetradactyle (dreizehige) Spuren handelt, die starke Ähnlichkeiten mit Pteraichnus, einer Pterosaurierspur, aufweisen. Jedoch wurde auch Pteraichnus eine Zeitlang als Krokodilspur beschrieben. Heute gild es als wahrscheinlich, dass es sich bei beiden Taxa um Pterosaurier-Spuren handelt.
In England wurden bisher drei Gesteinsplatten mit sechs Pedal-Spuren sowie Manus-Spuren von Purbeckopus gefunden, ihre Länge beträgt 18,7 bis 22,5 cm. Damit sind sie, nach noch größeren Spuren aus Südkorea, die zweitgrößten Pterosaurierspuren, die bisher bekannt sind. Die Manus-Spuren machen deutlich, dass das Tier am Boden quadruped (vierfüßig) war. Neben den Spuren wurden weitere Eindrücke gefunden, und einige Forscher spekulieren auf mögliche Schnabelabdrücke. Die Spuren wurden im "Intermarine Member" der Purbeck Limestone Formation gefunden. Dies war früher eine lagunenähnliche Landschaft, wo das Meerwasser mit Süßwasser der Flüsse verdünnt war.
In letzter Zeit wurde Purbeckopus auch in vielen anderen Tielen der Welt nachgewiesen.
Der englische Wealden
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Bildcopyright: Jens Lehmann, used with friendly permission. Homepage der Geosammlung der Uni Bremen Info: Dieser Iguanodontipus Abdruck aus dem Englischen Wealden gehört heute zur Sammlung der Universität Bremen. (Großansicht) |
Der englische Wealden gehört zu den wichtigsten fossilientragenden Formationen aus England. Er ist vor allem für seine zahlreichen Dinosaurierknochenfunde berühmt. Die ersten Fußspuren von Wirbeltieren wurden im Jahr 1846 aus dem Gebiet um Hastings beschrieben.
Bedeutende Fundorte für Dinosaurier-Fußspuren sind East Sussex (Cooden Beach, Tunbridge Wells Sand, Bexhill), die Hastings Beds bei Hastings (Lower Ashdown Beds, Fairlight Cove), und die Wessex und Vectis Formation der Isle of Wight (siehe unten).
Dinosaurierspuren von der Isle of Wight
Diese Insel vor der Küste Südenglands ist die ergiebigste Fundgrube für Dinosaurierknochen- und Spuren europaweit. Geologisch sind die fossilienreichen Gesteinschichten in zwei Formationen unterteilt (die beide zum Wealden gehören): Die Wessex Formation und die Vectis Formation. Zur Dinosaurier-Ichnofauna gehören Iguanodontipus (Wessex und Vectis Formation), Theropodenspuren (Vectis Formation), vierzehige, dem Polacanthus zugeschriebene, Spuren (Wessex Formation). Seltener sind Sauropodenspuren (besonders bei Cowleaze Chine (Wessex Formation) wurden recht große Exemplare gefunden, andere Fundstellen sind Yaverland und Brook Bay) und die Manus-Abdrücke des Iguanodon.
Der Strand von Hanover Point an der Südküste ist der beste Ort der Isle of Wight, Dinosaurierspuren außerhalb der Museen zu besichtigen. Eine Fährtenfolge (in situ) und viele, lose am Strand liegende Iguanodontipus-Spurenkästen sind zu sehen. Man kann die Eindrücke besonders gut erkennen, wenn die Sedimente nach einem Sturm herausgespült wurden. Die Spuren zu sammeln ist illegal.
Bildcopyright: S. M. Clabby, used with friendly permission (Dino Wight)
Links: Ein Iguanodontipus Abdruck von der Isle of Wight. (Großansicht)
Rechts: Ein Theropoden-Abdruck von der Isle of Wight. (Großansicht)
Quellen - Literatur
Roland Goldring, John E. Pollard, Jonathan D. Radley (2005):
Trace fossils and pseudofossils from the Wealden strata
(non-marine Lower Cretaceous) of southern England
- Cretaceous Research 3, 1-21
Julia J . Day, David B. Norman, Andrew S. Gale, Paul Upchurch and H. Philip Powell (2004):
A middle jurassic Dinosaur trackwy site from Oxfordshire, UK
- Palaeontology, Vol. 47, Part 2, pp. 319–348
Lockley, M. G. and Meyer, C. A. (1999):
Dinosaur Tracks and other fossil footprints of Europe. - Columbia University Press. 330p
Jonathan D. Radley, Michael J. Barker
and Ian C. Harding (1998):
Palaeoenvironment and taphonomy of dinosaur
tracks in the Vectis Formation (Lower
Cretaceous) of the Wessex Sub-basin, southern
England - Cretaceous Research 19, 471-487
Michael J. King , Michael J. Benton (1996):
Dinosaurs in the Early and Mid Triassic? The footprint evidence from Britain
- Palaeogeography, Palaeoclimatology, Palaeoecology 122, 213-225
Quellen - Weblinks
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