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Dinosaurierspuren aus Deutschland

Deutschland ist reicher an fossilen Fußspuren, wie vielleicht vermuten lässt. In Deutschland wurden viele Spuren gefunden - es ist europaweit eines der spurenreichsten Länder. Es wurden in Deutschland sogar mehr fossile Fußspuren gefunden als Skelettfunde bekannt sind. Auch fossile Fußspuren von Nicht-Dinosauriern sind aus Deutschland bekannt. Wir haben z.B. die berühmten Spuren des Chinotheriums (das Hand Tier).
Auf dieser Seite werde ich alle deutschen Dinosaurierspuren-Funde aufführen und beschreiben (geordnet von der Trias bis zur späten Kreide). Natürlich wird genauso über berühmte Spuren anderer Tiere wird berichtet.

Spuren aus der Trias

Fährten früher Dinosaurier aus Franken

Aus dem Mittelkeuper aus Franken (späte Trias, Ladian - Norian) kommen viele einzigartige und wertvolle Spuren von frühen Dinosauriern und Chirotheriden. Neben sieben verschiedenen Coelurosaurichnus-Arten wurde auch Atreipus nachgewiesen.

Die ersten Spuren aus diesem Gebiet wurden bereits im Jahr 1887 entdeckt. Von diesem Zeitpunkt an wurde eine stattliche Anzahl von meist tridactylen Spuren geborgen. Die Formationen mit den meisten Spuren sind der Benker Sandstein, der Ansbacher Sandstein, der Blasensandstein sowie der Corburger Sandstein.
Ein Fund aus Mittelfranken bei Markt Erlbach ist besonders aufregend: Hier wurde eine Gesteinsplatte mit Chirotheridenspuren gefunden. Aber neben den Chirotheridenspuren fand man noch weitere Spuren: Die dreizehigen, 8 cm langen Spuren von frühen Dinosauriern, die man erst Coelurosaurichnus metzneri (=Grallator) zuschrieb. Man übersah allerdings einen nur 2 cm langen Abdruck der Hand, der ebenfalls von der Coelurosaurichnus-Spur stammen musste. In Nordamerika hatte man bereits viele solcher Spuren gefunden. Sie tragen den Namen Atreipus. So wurden auch diese Spuren auf der Gesteinsplatte aus Mittelfranken dem Atreipus metzneri zugeschrieben. Atreipus lief zwar meist vierbeinig, seine Hinterfußabdrücke alleine waren jedoch nicht von Grallator (einem echten Dinosaurier) zu unterscheiden. Es könnte sich also um einen Übergang vom Archosaurier zum Dinosaurier handeln.
Weitere Dinosaurierspuren-Funde aus Franken wurden fast allesamt dem Coelurosaurichnus zugeschrieben. Hier wurden allein sieben Arten dieses Ichnogenus benannt und beschrieben. Coelurosaurichnus ist heute kein gültiger Name mehr (siehe Coelurosaurichnus).Er ist identisch mit Grallator.
Wichtige Fundgruben finden sich im Gebiet um Haßfurt in Unterfranken. Hier wurden C. ziegelangerensis (10-11 cm), C. kehli (10-13 cm), und C. moeni (10-13 cm) gefunden. Aus der Umgebung von Schlauersbach in Mittelfranken stammt C. schlauersbachensis (ca. 10 cm). Bei Schlehenberg bei Bayreuth wurde C. schlehenbergensis (9 cm) und C. arntzeniusi (6,4 cm) entdeckt. In der Umgebung von Bayreuth wurde C. kronbergeri (18 cm) zusammen mit weiteren Theropodenspuren gefunden, die man jedoch nicht richtig einordnen kann.
Die geologisch jüngste Spur aus Franken stammt aus den Grenzbereich zwischen Trias und Jura. Sie wurde in einem Steinbruch bei Sassendorf gefunden. Es sind nur wenige Überreste von Dinosauriern aus den Grenzgebiet Trias-Jura bekannt, weshalb diese Spur sehr wertvoll für die Wissenschaft ist. Sie wurde 1958 von Oskar Kuhn als Coelurosaurichnus sassendorfensis beschrieben und stammt von einem mittelgroßen Theropoden. Der Abdruck hat eine Länge von 25,6 cm und eine Breite von 14,4 cm. Besonders die Krallen sind gut erkennbar, während der hintere Bereich etwas undeutlich erscheint.

Die Weinberg Fährte (Pfaffenhofen im Stormberg)

Hier wurde im Jahr 1988 eine einzelne Spur eines kleinen Theropoden (Typ Grallator) gefunden. Der unscheinbare Fund weist aber einige Besonderheiten auf: Er ist extrem gut erhalten, es konnten neben einem Schwanzabdruck auch Hautabdrücke nachgewiesen werden.

Der Stormberg in Baden-Württemberg ist eine wahre Fossilienfundgrube. In Pfaffenhofen wurden Dinosaurier wie Sellosaurus (der wahrscheinlich identisch ist mit Efraasia und Plateosaurus gracilis), Halticosaurus longostarsus und Procompsognathus nachgewiesen. Bei Ochsenbach in Stormberg wurde Plateosaurus gefunden.
Im Jahr 1988 hatte ein Ehepaar die Fährtenplatte zwischen aufgehäuften Gesteinsplatten ausfindig gemacht. Die Platte ist 40 mal 22 cm groß und besteht aus feinkörnigen Stubensandstein. Die Spur selbst ist knapp 8 cm lang und stammt von dem Ichnogenus Grallator. Damit passt sie perfekt zum Procompsognathus, der ebenfalls in Stormberg, nur fünf Kilometer entfernt, gefunden wurde. An der Spur sind die Kralleneindrücke und die Polster der Zehengelenke noch zu erkennen. Sogar ein Krallenkanal ist erhalten geblieben, der beim Herausziehen der Kralle aus dem Schlamm entstanden ist. Eine Erhebung am anderen Ende der Fährtenplatte wurde als Einschlagsmarke des Schwanzes gedeutet, dies ist allerdings nicht sicher. Eine unebenere Struktur wurde als ein Hautabdruck gedeutet. Allerdings ist auch dies nicht ganz sicher.

Dinosaurierspuren aus dem Keuper von Baden Württemberg

In Baden Württemberg wurden neben der oben erwähnten Weinberg Spur einige gute Spuren aus der Trias gefunden. Diese stammen, wie die Spuren aus Franken, meist von kleinen Raubdinosauriern vom Typ Grallator.

Im heutigen Stuttgarter Stadtgebiet Gablenberg wurden im Herbst 1911 bei Straßenarbeiten Fußspuren zutage gefördert. Der dortige Kieselsandstein war für eine Gruppe von Geologen interessant, die die Plattenhaufen der Straßenarbeiter begutachteten. Als sie die Platten spalteten, stießen sie auf die Spuren kleiner Dinosaurier. Insgesamt wurden hier 50 zum Teil gut erhaltene Spuren gefunden, die später von Eberhard Fraas untersucht wurden. Eine der Platten wird heute noch in der Tübinger Universität aufbewahrt.
Der wohl beste Fund aus Gablenberg/Stuttgard ging leider im Bombenkrieg des zweiten Weltkrieges bei einem Brand verloren. Es handelte sich um eine etwa 6 Quadratmeter große Platte, die Ende Mai 1912 in einem Vorgarten in etwa zwei Metern Tiefe unter der Erde gefunden wurde. Auf dieser Platte wurden annähernd 100 einzelne Spuren ausfindig gemacht. Die meisten davon waren dreizehig - es gab aber auch vierzehige Spuren. Durch den Brand wurde der Großteil der Platte zerstört. Heute sind nur noch Bruchstücke erhalten. Allerdings ließ Fraas eine Skizze der Platte anfertigen, die heute noch erhalten ist.
Eine weitere vereinzelte Spur fand sich in einem Bach, nordöstlich von Seifertshofen, zwischen Schwäbisch Gemüd und Schwäbisch Hall. Bei einer geologischen Exkursion fiel eine 42 mal 47 cm große und 7-8 cm breite Platte auf. Hier wurde eine 15,5 cm lange und 14 cm breite Spur eines frühen Theropoden entdeckt. Da die Platte lange Zeit im Wasser gelegen hatte zerbrach sie beim Bergungsversuch. Sie wurde später wieder zusammengesetzt. Die Spur gehört zum Ichnogenus Grallator und passte gut zu dem Fußskelett von Syntarsus, der Ähnlichkeit mit Coelophysis hatte. Sie stammt wohl von einem verwandten Tier. Eine Besonderheit der Spur ist ein Abdruck der Kralle.
Es sind noch weitere Einzelfunde in Baden-Württemberg bekannt. Aus einer Gegend Nordwestlich von Vaihingen beispielsweise sind 13 cm lange Spuren eines Theropoden gefunden worden.

Spuren aus dem Jura

Die Theropodenspuren aus Oker

Im Langenberg-Steinbruch in Oker (Harzer Umgebung, Niedersachsen), wurden 1998 die Überreste von Dinosauriern gefunden. Und dieser Steinbruch erwies sich als Fundgrube: Neben zahlreichen Knochen aus der Jurazeit wurden auch die Fußspuren von vermutlich zwei Theropodentypen entdeckt.

Auch aus dem Harz sind Dinosaurier bekannt, wie dieser Fundort zeigt. Die dreizehigen Dinosaurierspuren wurden im Steinbruch Langenberg an einer fast senkrechten Steilwand gefunden. Insgesamt wurden 15 Spuren entdeckt, die von mindestens zwei verschiedenen Theropodentypen stammen.

Theropodenspur aus Oker. Copyright by Nils Knötschke     Theropodenspur aus Oker. Copyright by Nils Knötschke

Bildcopyright: Nils Knötschke, used with friendly permission.
Links: Ein Abdruck eines kleineren Theropoden (Großansicht) Rechts: Ein Abdruck eines großen Theropoden (Großansicht)

Die Dinosaurierfährten von Barkhausen

Dies sind neben den Dinosaurierfährten aus Münchehagen (siehe unten) wohl die bekanntesten und besterhaltenen Dinosaurierfährten Deutschlands. Die Dinosaurierfährten aus dem mittleren Kimmeridgian von Barkhausen (Landkreis Osnabrück, Niedersachsen) kann man an einer fast senkrechten Felswand besichtigen. Hier wurden Sauropodenfährten entdeckt (Ichnogenus Elephantopoides barkhausenensis) sowie Fährten von großen Theropoden (Ichnogenus Megalosauripus barkhausensis), die dem Megalosaurus teutonicus zugeschrieben wurden.

Diese Fährten wurden im Jahr 1921 vom Geologen Walter Klüpfel in der Nähe von Barkhausen an der Hunte im Landkreis Osnabrück, Niedersachsen, gefunden. Sie befinden sich auf einer fast senkrechten Felswand. Anfangs waren nur Sauropodenfährten zu erkennen, aber bald legte man am unteren Ende der Wand weitere Spuren frei. Hier fand man die Spuren großer Theropoden, die Megalosaurus ähnlichen Tieren zugeordnet wurden. Weitere Spuren wurden 1983 entdeckt, die bis dahin noch von Gestein bedeckt waren, und wahrscheinlich befinden sich noch weitere Fährten unterhalb der Wand.
Die Sauropodentrittsiegel wurden als neues Ichnogenus beschrieben und bekamen den Namen Elephantopoides barkhausenensis. Sie haben eine Größe von ca. 27 cm. Man schätzt die Länge dieser Sauropoden auf über 13 Meter, wahrscheinlich waren es Diplodocus oder Dicraeosaurus-ähnliche Tiere. Insgesamt gibt es an der Gesteinswand sieben Sauropoden-Fährtenfolgen, die von oben nach unten verlaufen.
Die zwei Theropoden-Spurenfolgen wurden der Art Megalosaurus teutonicus zugeschrieben und gehören zur Ichnogenus Megalosauripus barkhausensis. Sie waren im Durchschnitt 63 cm groß. Die erste Spurenfolge verlief entgegengesetzt der Sauropodenfährten von unten nach oben, die Zweite verlief waagerecht nach rechs.
An der Gesteinswand (Sandstein) mit den Spuren sind Trockenrisse und Rippelmarken zu erkennen. Das heißt, die Spuren wurden erst von Wasser überschwemmt (dadurch die Rippelmarken). Dann floss das Wasser ab und die Trockenrisse entstanden. Sogar Spuren von Regentropfen, Wühlgänge von Kleintieren und angeschwemmte Pflanzen wurden nachgewiesen. Die Fährten wurden als Naturdenkmal ausgewiesen und nun auch durch eine Schutzhalle bedeckt.

Das Schutzdach mit den Fährten   

Links oben: Das Schutzdach mit den Fährten.
Rechts oben: Mehrere Sauropoden und zwei Theropodenfährten. Die zweite Theropodenfährte verläuft waagerecht nach rechs.
Links unten: Schön zu erkennen sind zwei nach unten laufende Sauropodenfährten und eine nach oben laufende Theropodenfährte.
Mitte: Die erste Spurenfolge der Steilwand. Sie stammt von einem Sauropoden.
Rechts unten: Die sechste Sauropodenfährte.

Großansichten und weitere Bilder gibt es hier: Bildergalerie Barkhausen.

Spuren aus der Kreide

Die Saurierfährten in Münchehagen

In Münchehaben wurden fossile Fußspuren aus dem Berriasian gefunden. Es gibt zahlreiche Sauropodenfährten (Ichnogenus Rotundichnus münchehagensis) sowie eine dreizehige Fährte, die wahrscheinlich zu einem Iguanodon gehört. Kürzlich wurden in der Nähe des alten Fundortes neue Iguanodon-Spuren gefunden.

Münchehagen ist eine Stadt in den Rehburger Bergen in Niedersachsen. Der Abbau von Sandsteinplatten war bis in den 60-er Jahren ein wichtiger Erwerbszweig. Auch im Steinbruch bei Münchehagen wurden Sandsteine abgebaut, dabei traten auch Dinosaurier-Spuren zutage. Man dachte sich nicht viel dabei, und erst 1980, nach einer Reinigung der Fläche, traten nicht nur einzelne Spuren sondern auch ganze Fährten zu Tage. Erst jetzt erkannten Wissenschaftler die wahre Bedeutung der Fährten, so wurde über den wertvollsten und besterhaltenen Fährten eine Schutzhalle errichtet. Nun noch etwas zur Geologie: Die Dinosaurierfährten Münchehagen gehören zum Hauptsandstein, der wiederum zur Bückeberg Formation gehört. Unter den Hauptsandstein liegt die Obernkirchen Folge 1, über den Hauptsandstein liegt die Obernkirchen Folge 2 (beide gehören zur Bückeberg Formation). Das Zeitalter all dieser Formationen heißt Berrias (eng. Berriasian), das erste Zeitalter in der frühen Kreide.
Insgesamt 256 Sauropoden Trittsiegel wurden festgestellt, eine ganze Herde, die vor 140 Millionen Jahre hier vorüberzog. Sie wurden einem eigenen Ichnogenus und einer eigenen Ichnospezies zugeschrieben, Rotundichnus münchehagensis (benannt durch Alfred Hendricks, 1981) und gehören zum Brontopodus-Typ mit weiter Gangweite (mehr hierzu unter Brontopodus). Viele der Trittsiegel gehörten zu ganzen Fährten, von mindestens 7 Tieren. Viele Trittsiegel sind verplombt und nur noch undeutlich sichtbar. Die schönsten Spuren sind im Durchschnitt 90 cm lang und 85 cm breit. Von ihnen wurden auch Abgüsse angefertigt die heute im Landesmuseum Münster zu besichtigen sind. Die Vorderfußeindrücke der Sauropodenfährten haben einen Durchmesser zwischen 0,45 und 0,75 m, die Hinterfußeindrücke sind zwischen 0,6 und 1,3 m lang und 0,5 bis 1,5 m breit. Die Größe der Spurenerzeuger liegt bei einer Rumpflänge von 5 Metern.
Auch eine Fährte von einem dreizehigen, zweibeinigen Tier wurde gefunden. Diese gehörte wahrscheinlich zu einem Iguanodon und ist etwa 28 m lang und besteht aus 19 Trittsiegeln. Sie könnte aber auch zu einem Theropoden gehören, da die Fährte teilweise sehr schlecht erhalten ist, ist dies schwer zu sagen. Manche Trittsiegel sind gerade so als solche zu erkennen und man kann nicht immer die drei Zehen erkennen. In der Mitte ist die Fährte unterbrochen - hier fehlen ca. drei Trittsiegel gänzlich. Die ungefähre Größe des Erzeugers der Fährte beträgt mindestens 2 m Hüfthöhe und 7-8 m Länge.
Die Fährten wurden als Naturdenkmal ausgewiesen, auch gibt es ein Besucherzentrum.

Eine neue Fundstelle in Münchehagen!

Im August 2004 wurden an einer anderen Stelle, jedoch wiederum ganz in der Nähe von Münchehagen, eine weitere Fundstelle von Rainer Wiegmann entdeckt. Hier wurden Iguanodon-Fährten sowie Theropoden-Fährten gefunden, die meisten sind ausgezeichnet erhalten. Die Ausgrabungsarbeiten laufen jedoch noch. Hier noch einige Bilder zu den neuentdeckten Fußspuren:

Schöne, tiefe Fußeindrücke eines Iguanodon. Copyright: Oliver Wings    mehrere Iguanodon-Fährten kreuzen sich. Copyright: Oliver Wings

Eine Theropodenspur wird zum Schutz mit der ersten Schicht Latex bedeckt. Copyright: Oliver Wings    Weitere Iguanodon Spuren. Copyright: Oliver Wings

Bildcopyright: Oliver Wings (www.dinosaurhunter.org/), used with friendly permission.
Links oben: Schöne, tiefe Fußeindrücke eines Iguanodon.(Großansicht)
Rechts oben: mehrere Iguanodon-Fährten kreuzen sich (Großansicht)
Links unten: Eine Theropodenspur wird zum Schutz mit der ersten Schicht Latex bedeckt.(Großansicht)
Rechts unten: Weitere Iguanodon Spuren. (Großansicht)

Iguanodon und andere Fährten aus der frühen Kreide von Niedersachsen

Neben den Fährten aus Münchehagen gibt es unzählige weitere Fährten aus dem Berriasian der Obernkirchen Sandstein. Das Gebiet erstreckt sich westlich von Hannover über Niedersachsen. Meist handelt es sich um Iguanodon-Fährten.

Dieses Gebiet war im Berriasian vor 140 Millionen Jahren Küstenregion. Dinosaurier wanderten am Strand oder wateten durch seichtes Wasser, und die nächste Flut schwemmte Sediment darüber. Die Fußspuren konnten so erhalten bleiben, der feine Sand wird mit der Zeit zu Sandstein. In der Obernkirchen Formation wird der Sandstein abgebaut. Dabei sind zwar die meisten Spuren zum Vorschein gekommen, aber meistens lediglich die Hyporeliefe, da die eigentlichen Fährtenplatten beim Abbau zerstört werden. Hyporelife sind Spuren, die aus der Gesteinsplatte herausstehen. Zu jeder Spur gehört meistens auch ein Hyporelif, dass entsteht, wenn Sediment in die Spur stömt.
Neben unzähligen Einzelfunden wurden auch einige größere Fährtenplatten gefunden. Anfang des 18. Jahrhunderts war das Interesse an diesen Iguanodon-Fährten aber sehr gering. Viele Spuren gingen so verloren. Obwohl der Wissenschaft bekannt, wurde eine Platte mit einer Fährte von 20 einzelnen Spuren für den Straßenbau verwendet.
Der Spurenforscher, der sich wohl am intensivsten mit den Obernkirchen Spuren beschäftigt hatte, war Max Ballerstedt. Er hatte in seinem ganzen Leben an die 200 Spuren entdeckt und gesammelt. Die Spuren deponierte er im Gynasum von Bückeburg, dem Adolfinum, wo heute ein Teil der Fährten ausgestellt ist.
Eine der größten Entdeckungen fand sich auf dem Schauenstein bei Obernkirchen im Jahr 1926. Hier wurde eine 100 Quadratmeter große Platte vom Paläontologen Otto Dietrich entdeckt worden. Die Platte war in drei getrennte Fährten Horizonte unterteilt, insgesamt fanden sich auf der Platte ca. 40 verschiedene Iguanodon-Spuren. In den Steinbruch bei der Platte wurden hunderte Iguanodon -Fährten gefunden.

Iguanodon Fährtenplatte. Copyright by Jens Lehmann
Bildcopyright: Jens Lehmann, used with friendly permission. Homepage der Geosammlung der Uni Bremen
Info: Die links beschriebene Fährtenplatte aus den Obernkirchen Sandstein gehört heute zur Sammlung der Universität Bremen.
Ein weiterer schöner Fund ist heute im Geologisch-Paläontologischen Institut, Hamburg, zu besichtigen. Es handelt sich um eine 1972 entdeckte Fährtenplatte mit zahlreichen tridactylen Spuren. Die Platte misst 3,20 Meter und wiegt 2,5 Tonnen. Auf ihr finden sich 23 Spuren mit unterschiedlicher Größe. Die meisten liegen bei 36-40 cm Länge, drei Einzelspuren liegen aber nur bei 25 cm. Wie man festgestellt hat, laufen die Dinosaurier in drei verschiedene Richtungen. Es könnte sich daher um einen fossilen Wildwechsel handeln.
Eine weitere guterhaltene Gesteinsplatte aus den Obernkirchen Sandstein (Bild rechs) befindet sich heute in der Sammlung der Universität Bremen. Bei der Fährte handelt es sich, wie bei vielen anderen Spuren aus dem Obernkirchen Sandstein auch, nicht um die Spuren selbst, sondern um Abdrücke der Spuren. Es handelt sich nämlich um die Unterseite der Sedimentschicht, die die Spuren einst bedeckte. Wir haben auf der 148x120cm großen Platte also Erhebungen statt Einbuchtungen. Bei den Spuren auf der Platte handelt es sich höchstwahrscheinlich um ein nicht vollausgewachsenen Iguanodon. Die Länge der Spuren schwankt zwischen 20-40 cm. Die Spuren stammen von mindestens vier verschiedenen Individuen.
Erst kürzlich wurden die Spuren eines Allosauriers im Dezember 2004 in einer Natursteinwand mitten in Hannover entdeckt. Der erste Abdruck (ca. 35 cm groß) ist gut sichtbar, der andere weniger gut. Allerdings haben derartige Abdrücke für die Wissenschaft einen geringeren Wert.
Heute kann man Spuren aus dem Obernkirchen Sandstein auch im Lippischen Landesmuseum Detmold, im Museum des Geologisch-Paläontologischen Institutes, Münster, sowie im Schaumburgisches Heimatmuseum Eulenburg betrachten. In Dänemark findet sich eine Spur aus den Bückebergen im Museum von Gram.

Bueckeburgichnus und Metatetrapous: Zwei Fußspuren aus den Bückebergen, Niedersachsen.

Zwei Sehr interessante Fährtenfunde zeigen die Vielfältigkeit der Dinosaurier in Deutschland zurzeit der Unterkreide. Bueckeburgichnus ist eine riesige Theropodenspur, während die Fährte von Metatetrapous wohl zu einem Nodosaurier gehört.

Bueckeburgichnus

Aus dem Norddeutschen Wealden sind nicht nur zahlreiche Iguanodon-Spuren bekannt. Aus den Bückegergen stammt die mit 71 cm Länge größte Theropodenspur, die je in Deutschland gefunden wurde. Sie wurde im Jahr 1958 von Oskar Kuhn Bueckeburgichnus maximus (größte Fährte aus Bückeburg) getauft. Die Spur gehörte wohl zu einem großen Carnosaurier. Aus dieser Zeit wurden in Deutschland neben dieser Spur kaum Hinweise auf diese großen Theropoden gefunden, bis auf einen Zahn, der "Megalosaurus dunkeri" (später "Altispinax dunkeri") genannt wurde. Der Fußabdruck von Bueckeburgichnus ist vollständig erhalten, die Spur ist gut ausgeprägt. Sogar die vierte kleine Zehe (Hallux) ist erhalten geblieben, was bei Theropoden sehr selten ist, da sie nie den Boden berührt. Das Tier muss also mit seinem Fuß vollständig im Schlamm eingesunken sein.
Später wurden auch Spuren aus Spanien, aus der Enciso Group aus La Rioja, dem Bueckeburgichnus zugeschrieben. Auch hier ist der charakteristische Manus-Abdruck gut zu erkennen.

Metatetrapous

Ein weiteres wichtiges Fundstück stammt aus einem Steinbruch in der Nähe von Bückeburg. Es handelt sich um eine insgesamt 2,13 m lange Fährtenfolge, die Metatetrapous valdensis genannt wurde. Hartmund Haubold hatte diese Spur eingiebig untersucht und beschrieben, der Name stammt ursprünglich aber von Baron von Nopsca, 1923. Die Hinterfußabdrücke sind relativ groß (44 cm) und länglich und weisen jeweils vier Zehen auf, die Manus-Spuren weisen jeweils mindestens drei Zehen auf. Der Stide beträgt 140 cm und der Winkel zwischen den Trittsiegeln beträgt 130 Grad.
Wie man diese Fährte genau einordnen soll ist noch heute ein Streitpunkt unter Wissenschaftlern. Wahrscheinlich gehört sie zu einem Ankylosaurier. Nach Haubold weist sie eine starke Ähnlichkeit mit einer kanadischen Fährte aus dem Aptian - Albian auf, die Tetrapodosaurus borealis genannt wurde und jetzt sicher einem Ankylosaurier zugeschrieben werden kann.
Ankylosaurierfährten aus der frühen Kreide sind sehr rar. Der geologisch älteste Nachweis von Ankylosauriern anhand von Spuren stammt aus der Jura-Kreide Grenze von den Purbeck Limestones von Dorset, England. Diese Fährte wurde zuerst einem Sauropoden zugeschrieben, gilt jetzt aber als älteste Ankylosaurierfährte weltweit.

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