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Iguanodontipus

Iguanodontipus-Abdruck aus dem Englischen Wealden. Copyright by Jens Lehmann
Bildcopyright: Jens Lehmann, used with friendly permission. Homepage der Geosammlung der Uni Bremen
Info: Dieser Iguanodontipus-Abdruck aus dem Englischen Wealden gehört heute zur Sammlung der Universität Bremen. (Großansicht)

Iguanodontipus sind die Spuren von Iguanodon. Iguanodon lebte in der frühen Kreide und war einer der Vorgänger der Hadrosauriden, die in der späteren Kreide die dominierenden Pflanzenfresser waren. Iguanodon ist durch viele Knochenfunde bekannt und war wohl mit vielen Arten sehr verbreitet und erfolgreich. Iguanodontipus-Spuren wurden hauptsächlich in England und in anderen Teilen Europas gefunden.
Iguanodon war einer der ersten Dinosaurier, der als solcher erkannt und wissenschaftlich benannt wurde - im Jahr 1820. Iguanodon ist aber auch der erste Dinosaurier, dem eine Fährte korrekt zugeordnet werden konnte.
Aus Amerika sind zwei dem Iguanodontipus sehr ähnliche Arten bekannt, der Caririchnium und der oft in Kanada gefundene Amblydactylus.

Beschreibung

Iguanodontipus kennzeichnen große, tridactyle Fußspuren mit stumpfen, rundlichen und dicken Zehenabdrücken. Der Abdruck der Ferse ist ebenfalls gerundet und weit, kann aber sehr variabel sein.
Die Größe und Form der Spuren kann bei Iguanodontipus sehr stark variieren. Es gibt Funde mit eher kleinen Spuren, manche sind aber auch sehr groß. In der Isle of Purbeck in England z.B. sind die meisten Iguanodon-Spuren nicht größer als 15-20 cm, einige wenige messen aber eine Länge von ca. 50 cm. Der Typtaxon Iguanodontipus burreyi liegt bei einer Länge von 30-50 cm (was bei verschiedenen Autoren wegen den starken Variationen in der Größe der Spuren immer anders angegeben ist) und einer Breite von ebenfalls ca. 30 - 50 cm.
An einigen Lokalitäten wurde Dinoturbation nachgewiesen (Radley, 1994c), hier ist der Untergrund durch die Dinosaurier also insgesamt abgesunken.

Iguanodon Fährtenplatte. Copyright by Jens Lehmann
Bildcopyright: Jens Lehmann, used with friendly permission. Homepage der Geosammlung der Uni Bremen
Info: Die links beschriebene Fährtenplatte aus dem Obernkirchen Sandstein gehört heute zur Sammlung der Universität Bremen.

Vorkommen

Iguanodontipus ist eine der häufigsten Dinosaurierspuren aus der frühen Kreide. Die meisten Spuren kommen aus Norddeutschland und Südengland, aber auch aus dem Cameros Basin in Spanien. Meistens werden Iguanodon-Spuren in diesen Regionen als isolierte Einzelstücke gefunden, oft als Spurenkästen (wie im Bild ganz oben). Spurenplatten mit einer oder mehreren Spuren kommen, wie es im nördlichen Deutschland häufig der Fall ist, oft als Hyporeliefe (siehe Bild rechts) vor. Die Spuren aus Spanien sind öfter Teil von zusammenhängenden Fährten.

Geschichte der "Iguanodon-Spuren" - Warum wird niergens der Name "Iguanodontipus" verwendet?

Wenn man in der Literatur nachliest, findet man oft fossile Fußspuren, die einfach Iguanodon-Spuren genannt werden. Wieso werden diese Spuren keiner bestimmten Ichnogattung zugeschrieben? Das hängt mit der langen Geschichte dieser Spuren zusammen.
Die ersten beschriebenen Iguanodon-Spuren wurden in England bereits im Jahr 1846 entdeckt. Im Jahr 1860 wurden sie dann, korrekterweise, dem Iguanodon zugeschrieben. Dies war geschichtlich das erste Mal, dass einem bestimmten Dinosaurier seine fossilen Fußspuren zugeschrieben werden konnten.
Da die charakteristischen Iguanodon-Spuren leicht von anderen Spuren zu unterscheiden waren, wurden auch alle nachfolgenden Funde dem Iguanodon zugeschrieben - hießen also weiterhin nur Iguanodon-Spuren. Zwar wurde im Jahr 1968 der Name "Iguanodonichnus" verwendet, um Spuren aus Südamerika zu beschreiben (Casamiquela,R.M. und A.Fasola, 1968). Neuere Studien (Santos, V.F. dos, M. G. Lockley, J.J.Moratalla, und A. Galopim, 1992) haben jedoch ergeben, dass diese Spuren in Wirklichkeit zu Sauropoden gehörten, also nicht die Form der Iguanodon-Spuren hatten. "Iguanodonichnus" ist nun ein nomen dubium, da es nicht mit den Iguanodon-Spuren aus Europa in Verbindung gebracht werden kann.
Erst im Jahr 1998 wurde der Name Iguanodontipus für die Iguanodon-Spuren eingeführt (Sarjeant, W.A.S., J.Delair, und M. G. Lockley, 1998). Daher ist in der gesamten Literatur, die vor 1998 veröffentlicht wurde, nur die Bezeichnung "Iguanodon-Spur" zu finden.

Gehören alle Iguanodontipus-Spuren auch wirklich zum Iguanodon?

In der Ichnologie ist es äußerst selten, dass Fußspuren sicher einer bestimmten Tiergattung zugeschrieben werden können. Der Iguanodontipus scheint hier eine Ausnahme zu sein. Aber können wirklich alle Fußspuren, die Iguanodontipus heißen, auch direkt dem Iguanodon zugeschrieben werden? Diese Frage stellte bereits Luis Dollo im Jahr 1905. Die Wahrscheinlichkeit, dass es sich wirklich um Iguanodon-Spuren handelt, ist äußerst hoch. Es gab in dem Gebiet der Spuren zu der Zeit wenige (der Wissenschaft bekannte) Tiere, mit denen man die Spuren verwechseln könnte. Andere Hadrosauroidea traten erst viel später auf, und die Spuren der zeitgenössischen Hypsilophodontiden waren viel kleiner und schlanker. Die einzigsten Spuren, mit denen Iguanodonspuren manchmal verwechselt werden, sind die der Theropoden.
Es ist also, besonders bei besser erhaltenden Abdrücken, möglich, die Fußspuren mit hoher Sicherheit dem Iguanodon zuzuschreiben. Aber kann man auch sagen, zu welcher Spezies innerhalb des Iguanodons die Spuren gehören? Dies erscheint natürlich sehr schwierig, da die Unterschiede zwischen den einzelnen Iguanodon-Arten gering sind. Manchmal kann man aber tatsächlich zwei Typen unterscheiden. Als Hauptkriterium hierbei dient die Größe (ein Typ ist eindeutig kleiner) und die Form (ein Typ hat eine etwas schlankere Morphologie).

Iguanodon - biped oder quadruped? Schlussfolgerungen anhand der Fußspuren

Eine der Hauptfragen in der Entdeckungsgeschichte des Iguanodon ist die Frage nach seiner Gangart. Diese Frage ist zwar noch nicht vollständig geklärt, aber seine Fußspuren geben zumindest Anhaltspunkte.
Besonders in Spanien wurden einige Fährten entdeckt, die eindeutig eine quadrupede Lebensweise beim Iguanodon zeigen. Ein Beispiel ist die Las Cerradicas Tracksite in Spanien (Berriasian). Bei diesen Iguanodontipus-Spuren handelt sich um den geologisch ältesten Nachweis der quadrupeden Lebensweise bei Ornithopoden.
Die meisten Fährtenfolgen zeigen jedoch eine scheinbar bipede Lebensweise. Also waren wohl beide Gangarten beim Iguanodon vertreten. Aber wieso sind die Manus Spuren (Vorderfußspuren) in Iguanodon-Fährtenfolgen so selten? Manche Forscher geben zu bedenken, dass die Manus Spuren nicht immer erhalten bleiben. Manus Spuren sind meistens dünn und eher schwach ausgeprägt, der riesige Hinterfußabdruck hat also eine höhere Chance, erhalten zu bleiben. Nach einer weiteren Theorie könnten die Hinterfuß-Abdrücke die Manus-Abdrücke überlappt haben.
Aber wann lief das Iguanodon zweibeinig, und wann vierbeinig? Die überwiegende Meinung der Wissenschaftler besagt, dass die Gangweise einzelner Tiere mit dem Alter zusammenhängt. Demnach hätten sich junge Iguanodonten überwiegend biped fortbewegt, ältere Tiere wären meistens auf vier Beinen gegangen.
Andere Paläontologen geben jedoch zu bedenken, dass die Iguanodonspuren wahrscheinlich von verschiedenen Iguanodon-Arten hinterlassen wurden. Nach ihrer Theorie liefen große und robuste Formen, wie Iguanodon bernissartensis, vierbeinig, und kleinere, schlankere Formen, wie Iguanodon atherfieldensis, überwiegend zweibeinig. Genauere Anhaltspunkte können wohl nur neue Entdeckungen liefern.
Etwas interessantes zu den Fährtenfolgen des Iguanodons sei hier noch angemerkt. In einigen Fällen sind die Manus Spuren deutlich weiter von der Mittellinie entfernt, als dies bei den späteren Hadrosauriern der Fall war, die überwiegend vierbeinig liefen. In wieweit sich dies über die Zeit entwickelte, ist jedoch noch nicht bekannt.

Iguanodon - ein Herdentier?

Lebte Iguanodon in Herden oder war es ein Einzelgänger? Auch darüber können Iguanodon-Spuren zumindest einen Anhaltspunkt geben. Man weiß von großen Ornithopoden-Fährten (vielleicht Iguanodontiden) aus Kanada und Korea, die parallel zueinander laufen, also höchstwahrscheinlich von einer Herde stammen. Direkt auf dem europäischen Iguanodontipus bezogen ist derartiges jedoch eher selten. Trotzdem gibt es einige Fundorte, die parallele Fährtenfolgen, also Indizien für Herdenleben, zeigen: drei parallele Fährten aus dem Suttles Quarry, Herston, nahe Swanage, drei weitere parallele Fährten wurden im Roach Stone im Queensground Quarry entdeckt. Zwei ähnliche Fährten wurden im Roach Stone im Lock's Quarry, Acton, entdeckt. Sie liefen beide in eine Nord-nordwestliche Richtung. Auch bei den in der Isle of Purbeck gefundenen Fährten gibt es Anzeichen auf Herdenleben.
Dies zeigt, dass auch bei Iguanodon starke Anzeichen auf Herdenleben gefunden wurden. Zwar scheinen derartige parallele Fährtenfolgen nicht von einer großen Herde zu stammen, jedoch können die Gruppen in Wirklichkeit viel größer gewesen sein, als sie fossil erhalten sind.

Iguanodontipus aus der Isle of Wight. Copyright by S. M. Clabby      Iguanodontipus aus der Isle of Wight. Copyright by S. M. Clabby

Bildcopyright: S. M. Clabby, used with friendly permission (Dino Wight).
Links: Ein Iguanodontipus-Abdruck von der Isle of Wight (Großansicht)
Rechts: Ein weiterer Iguanodontipus-Abdruck von der Isle of Wight (Großansicht)

Iguanodontipus       (lat. Übersetzung: "Leguan Spur")

  • Iguanodontipus burreyi (benannt durch Sarjeant, Delair und Lockley, 1998)
  • Iguanodontipus billsarjeanti (benannt durch Meyer et Thuring, 2003)
  • Zeitalter:      Iguanodontipus kommt in der gesamten frühen Kreide vor. In den Englischen Wealden-Beds gibt es Spuren aus dem Berriasian (145-138 Millionen Jahre), in den jüngeren Schichten wurde Iguanodontipus bis zum Aptian-Albian nachgewiesen (110-98 Millionen Jahre). Damit kommen Iguanodon-Spuren über einen Zeitraum von ca. 50 Millionen Jahre vor.

    Fußspurenfunde

    Europa:

    Der englische Wealden

    Im englischen Wealden (Berriasian-Aptian) wurden wohl die meisten Iguanodontipus-Spuren gefunden. Es sind zwar meist vereinzelte Spuren (oft Spurenkästen), aber auch größere Fährtenplatten sind dabei.
    Über dem Wealden liegen die Hythe Beds (Aptian), unter dem Wealden die Purbeck Beds. Der Wealden selbst wird in zwei Sequenzen aufgeteilt. Die unteren Schichten werden Hastings Beds genannt, die oberen heißen Weald Clay. Am oberen Ende des Weald Clays befindet sich auch der Altherfield Clay.

    Spanien

    Portugal

    Schweiz

    Spitzbergen (Norwegen)

    Bereits im Jahr 1960 wurde eine Spurenplatte mit ca. einem Dutzend Spuren (zu insgesamt drei Fährtenfolgen gehörend) im Festningsodden Sandstein (Hauterivian oder Barremian) in Spitzbergen gefunden, die einem Iguanodontiden zugeschrieben wurden. Einige der Spuren hatten eine enorme Größe von 68 cm Länge und 60 cm Breite. Heute glauben viele Forscher aber an einen Theropoden als Verursacher der Spuren.
    Eine weitere Spurenfundstelle wurde 120 km südöstlich der Festningten Fundstelle entdeckt. Diese Spuren scheinen tatsächlich zu einem Iguanodon gehört zu haben (siehe unten).
    Die Dinosaurierspuren aus Spitzbergen sind die nördlichsten in ganz Europa.

    Anhang

    Im Jahr 1925 beschrieb der deutsche Geologe Adolf Bachofen-Echt dreizehige Spuren (mittleres Albian) aus den Brioni Inseln von Kroatien als Iguanodon-Spuren. Weiter beschrieb er kurze, breite Spuren als Schildkrötenspuren. Im Jahr 1993 untersuchten Dalla Vecchia und Kollegen diese Spuren erneut. Diese deuteten die vermeidlichen Iguanodon-Spuren als Theropodenspuren (was auch heute noch als richtig gilt). Die Schildkrötenspuren wurden als die eventuellen Spuren von sehr kleinen Sauropoden umgeschrieben.
    Es gibt daher noch keinen klaren Nachweis von Iguanodontipus aus Kroatien, obwohl weitere Spurenfundstellen mit Theropodenspuren aus diesem Land bekannt sind.

    Quellen - Literatur

    Quellen - Weblinks

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